Crowdfunding – Will ich?

Ich bin ein wenig ernüchtert.

Was man so alles liest über Crowdfunding hörte sich für mich so an, als könnte man ganz einfach seine Ideen finanzieren, ohne – wie evtl. bei einem Investor – das Heft aus der Hand geben zu müssen. Man stellt sein Projekt vor, findet Menschen die einen dabei unterstützen wollen, und gibt dafür ein kleines Dankeschön heraus. Weit gefehlt. Und ganz schön naiv von mir gedacht. Zumindest, wenn man nicht nur ein paar hundert Euro braucht (die man momentan auch recht günstig von der Bank haben könnte).

Ich hatte ein Gespräch mit einem netten jungen Mann, der gerade erfolgreich eine Kampagne bei startnext durchgeführt hat. Er hat ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und mir die Augen geöffnet, wie viel Arbeit da wirklich dahinter steckt.

Die sechswöchige Kampagne im Internet ist ja nur ein Teil dessen, was organisiert werden muss. An sich kann man davon ausgehen, dass jeweils 2-3 Monate vor und nach der Kampagne auch Arbeit reingesteckt werden muß. Und nicht nur ein paar Stunden, sondern Fulltime! In diesem speziellen Fall wurde sogar ein Praktikant eingestellt, um das ganze Marketinggedöns überhaupt schaffen zu können.

Und man muss auch selbst Geld reinstecken, damit das ganze erfolgreich wird. Zeitungen, Magazine, Video, Flyer, Veranstaltungen, das ganze Programm. Wenn man das professionell aufzieht, was man muss um die Spender zu finden, sollte man davon ausgehen, dass am Ende vielleicht 40% des Betrages hängenbleiben. Der Rest geht für das Rühren der Werbetrommel, die Gebühren an die Plattform, und die Dankeschöns drauf.

Um das Geld geht es wohl auch in erster Linie gar nicht, sondern um den Marketingeffekt.

Im Schnitt kann man von 1 Euro Spende pro Besuch auf der Plattform ausgehen. Dann rechnet Euch mal aus, wie viele Besucher ich bräuchte, um 5.000 Euro zu erhalten, wovon dann grad die Hälfte hängenbleibt. Bei mehreren Monaten Arbeit nicht wirklich ein gewinnbringendes Geschäft. Zumindest sehe ich das nicht für mich.

Wie gesagt, ich bin ernüchtert. Trotzdem ist die Idee, meine Brotbackmischung wie ein Projekt aufzuziehen, natürlich nicht verkehrt. Also, Ziel definieren, Stakeholder Analyse, im Prinzip einen Businessplan aufstellen und schauen, wie viel Geld ich tatsächlich benötige. Und vielleicht schaffe ich es ja doch alleine.


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