Gutes Olivenöl – Fragen an den Experten I

Also, ich bin ja fest davon überzeugt, dass mein Olivenöl eine hervorragende Qualität hat. Aber was weiß ich denn schon. Und objektiv bin ich auch nicht.

Genau aus diesem Grund lasse ich vor dem Kauf mein Olivenöl im Labor und von einem Panel testen. Denn die kennen sich aus. Und genau aus diesem Grund, und weil ich kürzlich wieder in den Nachrichten davon gehört habe, dass so viel gepanschtes Olivenöl als extra nativ auf den Markt geschmissen wird, lasse ich jetzt mal einen Experten zu Wort kommen.

Ich starte hiermit eine kleine Fragen-an-den-Olivenölexperten Reihe, in der Fragen beantwortet werden sollen, die jeden Verbraucher und Liebhaber guten Olivenöls interessieren. Und hier kommt natürlich auch Ihr, liebe Leser, ins Spiel. Was wollt Ihr wissen? Ich mache hier nur den Aufschlag, um den Stein ins Rollen zu bringen. In weiteren Interviews könnt Ihr dann gerne auch Eure Fragen einbringen.

Zum Start hab ich einfach mal das gefragt, was mir am ärgsten unter den Nägeln brennt. Vorab aber erstmal eine kurze Vorstellung des Experten, damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt.

Dieter Oberg leitet seit 1987 die Informationsgemeinschaft Olivenöl, die heute auch als Verband zur Pflege und Förderung des Wertes von nativen Olivenölen e.V. firmiert. Zu Beginn seiner Karriere hatte er über 15 Jahre lang den Auftrag von der Europäischen Kommission, im Rahmen eines Vertrages das Programm zur Förderung des Olivenölverbrauchs in Deutschland, teilweise auch in Österreich und Dänemark, durchzuführen.  Bis Ende 2015 war Hr Oberg auch 17 Jahre Leiter des Deutschen Olivenöl Panels (DOP), das jetzt seinen Sitz in Nürnberg hat.

Dieter Oberg sieht sich als ständig Lernender in allen Facetten des Olivenöls. Geholfen haben ihm dabei unzählige Reisen und Besuche bei Produzenten, Abfüllern, Instituten mit ständigem Wissensaustausch.

Alles klar? Dann geht es los.

ritardonna: Wie erfolgt eigentlich die Einstufung von Olivenöl in extra nativ, nativ, etc. und wer kann sie für den deutschen Handel vergeben?

Dieter Oberg: Olivenöl (und Tafeloliven) zählen zu den am meisten kontrollierten Nahrungsmitteln in der Europäischen Union. Dazu gibt es eine eigene umfangreiche Olivenöl Verordnung, die für die EG gültig ist und mit geringen Ausnahmen auch für den Rest der Welt. Innerhalb der Weltorganisation – das ist der Internationale Olivenöl Rat mit Sitz in Madrid – spielt die EU mit einem Produktionsanteil von über 70 % einen bedeutenden Anteil. Natürlich bedarf ein Markt von ca. 1 bis 2,5 Mio. Tonnen Olivenöl einer Regulierung, zumal es sich um ein Naturprodukt von hohem Wert handelt.

Für die Klassifizierung des Olivenöls wurden international gültige Regeln aufgestellt. Daraus ergeben sich die Klassifizierungen nativ extra, nativ, gewöhnlich und lampant. Nur die ersten beiden Klassifizierungen sind für den Konsumenten bestimmt. Zur Erarbeitung der jeweiligen Klassifizierung (Güteklasse) muss eine entsprechende Probe auf rund 28 Parameter chemisch geprüft werden. Dazu sind Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen, da ansonsten eine Abstufung der Klassifizierung erfolgen würde. Im Rahmen der Kontrolle ist die sensorische Beurteilung durch ein sogenanntes Panel (8 – 12 geschulte Tester) von besonderer Bedeutung. Hat nach dem Urteil der Tester Gruppe ein Öl kein Fehlattribut, aber eine auch nur leichte Fruchtigkeit – gemessen als Median – und sind alle chemischen Werte im Rahmen des vorgegebenen Limits, hat diese Probe die Klassifizierung „nativ extra“ erreicht.

ritardonna: Wie kann es dann sein, dass Öl als extra nativ in den Handel kommt, und beim Test durch Kontrolleure dann später als minderwertig entlarvt wird?

Das ist in erster Linie eine Frage der eigenen Kontrolle und wie diese von Seiten der Produzenten und Vertreiber gehandhabt wird. Nach dem Gesetz ist ein „in-Verkehr-Bringer“ verantwortlich für die Qualität und somit auch für die auf dem Etikett ausgeschriebene Güteklasse. Das kann ein kleines oder großes verantwortungsbewusstes Unternehmen im Zuge eines Qualitätssicherungs Managements leisten. Aber wie überall auf der Welt gibt es auch „In-Verkehr-Bringer“ die eine lückenlose Kontrolle nicht vorweisen wollen oder können. Und es gibt gerade bei Olivenöl auch die Frage der Lagerung der Flaschen (auch zu hause) und der Haltbarkeit zu prüfen und danach den Verbrauch auszurichten.

ritardonna: Somit gebe ich mit der Offenlegung meiner Analyseergebnisse dem Verbraucher alle Möglichkeiten, die Qualität meines Produktes zu überprüfen. Natürlich muss dieser dann aber auch wissen, was er da eigentlich liest. Damit wären meine nächsten Fragen zum Thema klar. Aber vielleicht hat ja einer meiner Leser eine andere Frage? Bitte hinterlasst mir doch einen Kommentar zu diesem Blog.

 


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