Seifen selber sieden

Ich habe mir schon vor vielen Monaten eine Flasche Ätznatron (chemisch NaOH) gekauft. Plan war, mein übrig gebliebenes, aus dem MHD gelaufenes, Olivenöl zu verseifen. Ich habe natürlich einiges im Internet dazu recherchiert, aber so richtig getraut habe ich mich dann doch nicht. Zuviel Respekt vor der Lauge, Angst um meine Kätzchen, meine Augen und überhaupt hatte ich meiner Ansicht nach nicht die notwendigen Utensilien am Start.

Daher war ich sehr froh, als die Bekannte, bei der ich schon die Kräuterwanderung unternommen hatte, auch einen Seifensiedekurs anbot. Ich erhoffte mir, die Angst vor möglichen Küchenunfällen zu verlieren und ein realistisches Gefühl für das Thema zu bekommen. Ich wurde nicht enttäuscht!

Ausgestattet mit Schutzbrille (naja, eine Sonnenbrille mit sehr großen Gläsern tut es für den Start, sollte aber unbedingt ausgetauscht werden), Küchenhandschuhen und Gussförmchen bin ich mit meinem Ölkanister zum Kurs gefahren. Zunächst gab es einiges an Theorie zu hören. Von der Geschichte des Seifensiedens angefangen, über unterschiedliche Seifentypen, die Berechnung der korrekten Menge an Ätznatron in Abhängigkeit der Fettmenge und gewünschten Rückfettung, bis hin zu den typischen Anfängerfehlern wurden wir ausgiebig mit Informationen in Wort und Papier versorgt, bevor es an den Praxisteil ging.

Die notwendigen Utensilien waren bereits aufgebaut. Im Wesentlichen braucht es einen ausreichend großen Edelstahltopf mit Herdplatte für das Schmelzen der Fette, eine Feinwaage um alle Zutaten genauestens abzuwiegen, diverse Löffel und Küchentücher, ein Gefäß, in dem später das Ätznatron mit Wasser zusammengebracht wird, ein Küchenthermometer, und, ganz wichtig, der Edelstahl Stabmixer, ohne den man sich sonst einen Wolf rührt. Diverse Formen (Joghurtbecher geht zur Not auch) hatten die Teilnehmer dabei.Nachdem wir im Freien waren, erübrigte sich der Mundschutz, gute Durchlüftung ist aber wegen der evtl. entstehenden ätzenden Gase sehr wichtig!

Als erstes haben wir nun streng nach Rezept die unterschiedlichen Fette in den Topf gegeben und dort geschmolzen. Die orange Paste ist Palmfett (Bio!) und in der Glaskanne steht mein Olivenöl bereit. Olivenöl ist im übrigen das einzige Fett, aus dem man ohne andere Fette eine Seife herstellen kann. Wir haben bei unserem Rezept Sheabutter, Palmfett, Kokosöl, Kakaobutter, Mandelöl, Olivenöl und Rapsöl gemischt.  Wenn alles flüssig ist, kommt der gefährliche Teil, das Hantieren mit dem Ätznatron. Dazu wird destilliertes Wasser und das Ätznatron zusammengemixt. Bitte Brille auf und Handschuhe anziehen. Nachdem das Gemisch sehr schnell sehr heiß wird, haben wir die Hälfte des Wassers in Form von Eiswürfeln hinzugefügt. Beim Abmessen der Natronmenge muss sehr schnell gearbeitet werden, da der Stoff stark Wasser ziehend ist und somit das Gewicht verfälscht. Also alles bereit stellen, damit nicht lange rumgenestelt werden muss. Das Gemisch hat schnell über 70 Grad und muss nun runterkühlen, um die gleiche Temperatur wie das Fettgemisch zu erreichen. Das dauert schon ein paar Minuten. Daher regelmäßig umrühren und mit dem Thermometer die Temperatur prüfen. Passt die Temperatur, kommt die Lauge in das Fett und der Stabmixer kommt zum Einsatz. Es entwickelt sich sehr schnell eine gallertartige Substanz die durch das Mixen und Abkühlen eine immer festere Konsistenz erhält. So lange sie noch Puddingkonsistenz hat, wird die Seife nun in die Form gegossen, mit Folie abgedeckt, und für 24 Stunden warm gehalten. Das bezeichnet man als Gelphase, in der sich die Lauge mit dem Fett verbindet. Hält man die Seife warm, reduziert sich die Dauer des Reifeprozesses.Nach 24 Stunden sah die Seife in meinem Förmchen dann so aus:

 

 

 

 

 

 

 

Die Seife muss jetzt ca. 6 Wochen reifen, damit sich die Lauge verflüchtigt und damit der gewünschte pH-Wert einstellt.

Mein Fazit: Seifen sieden ist gar nicht so schwer, wenn man weiß was man tut. Ganz wichtig ist die richtige Umgebung/Schutzkleidung, alle notwendigen Utensilien griffbereit zu haben, und ein Verständnis für die Mengenverhältnisse der Seifenmasse. Daher mein Tipp: Lieber Geld für einen Seifensiedekurs in die Hand nehmen als einfach drauf los probieren. Dann macht es aber auch richtig Spaß. Und meine eigene Olivenölseife werde ich nun auch bald machen.


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